Du Pflaume! Eigentlich ein Kompliment!
Dass es so viele verschiedene Pflaumen-Arten und -Formen gibt, war wohl den meisten der etwa 180 Zuhörer/-innen beim 45. Obstbautag in Rankweil nicht bewusst. Welche Vielfalt an Lebewesen in Streuobstwiesen leben, wohl ebenso wenig. Der Obstbautag von Baumwärtern und der LK ist immer wieder für Überraschungen gut.
Zunächst begrüßten Obmann Armin Rauch, Vize-Bgm. Herburger, LK-Präsident Moosbrugger sowie Birgit Harich und Jeremias Morscher vom OGV die Obstinteressierten im vollen Vereinshaus in Rankweil. Alle ließen durchblicken, dass der extensive Obstbau als Streuobst oder im Hausgarten ein wichtiger Teil der Vor-
arlberger Kultur ist. Immer wieder klangen aber auch besorgte Töne über den rasanten Verbrauch wertvoller Anbauflächen durch. „Häuslebauen“ (inkl. Fabriken, Straßen etc.) bedeutet leider auch: Zubetonieren und Zuasphaltieren.
Zunächst begrüßten Obmann Armin Rauch, Vize-Bgm. Herburger, LK-Präsident Moosbrugger sowie Birgit Harich und Jeremias Morscher vom OGV die Obstinteressierten im vollen Vereinshaus in Rankweil. Alle ließen durchblicken, dass der extensive Obstbau als Streuobst oder im Hausgarten ein wichtiger Teil der Vor-
arlberger Kultur ist. Immer wieder klangen aber auch besorgte Töne über den rasanten Verbrauch wertvoller Anbauflächen durch. „Häuslebauen“ (inkl. Fabriken, Straßen etc.) bedeutet leider auch: Zubetonieren und Zuasphaltieren.
Pflaume ist nicht gleich Pflaume
Dr. Michael Neumüller (Bayr. Obstzentrum) fesselte die Anwesenden mit seinem Fachwissen in Bezug auf alle Formen der Prunus-Arten. Wissenschaftlich fundiert und doch allgemein verständlich zeigte er die Verwandtschaftsgrade und damit die Kreuzungsmöglichkeiten auf. So können sich manche Unterarten miteinander vermischen, andere nicht.
Die meisten Arten, wie Marille, Pfirsich, Mandel oder Japanische Pflaume, haben einen „normalen“ 2-fachen Chromosomensatz. Die Schlehe hingegen einen 4-fachen. Die „Europäische Pflaume“ besitzt sogar jedes Chromosom 6-fach. Dies erlaubt unglaublich viele Kombinationsmöglichkeiten und erklärt, warum aus dieser Art eine solche Vielfalt entstehen konnte – sei es bzgl. Größe aber auch Form und Farbe.
Er stellte interessante Beispiele wie die Zibarten, die Spillinge und die Kriecherl vor, betonte aber, dass vielerorts die gelb-rot-violette Kirschpflaume (Myrobalane) irrtümlich als Kriecherl bezeichnet wird, letztere aber normalerweise blau gefärbt sei.
Was ist der Unterschied zwischen Pflaume und Zwetschke? Kocht man Zwetschken ein, bleibt die Faserstruktur erhalten, kocht man Pflaumen ein, zerfällt das Fruchtfleisch zu Brei. Darum gibt es Zwetschkenkuchen aber Pflaumenmus.
In der Züchtung nimmt Neumüller vor allem auf die Bedrohungen durch neue Krankheiten und den Klimawandel Rücksicht, die manche „alte“ Sorte überfordern. Dies ist für ihn der Hauptantrieb, neue Sorten zu gewinnen.
Sogenannte „Interspezifische“ Kreuzungen, also z. B. zwischen Marille und Japanischer Pflaume seien bisher den Eltern geschmacklich unterlegen, aber evtl. als Unterlage zu verwenden. Einige Highlights aus seinem Züchtungsprogramm rundeten den Vortrag ab.
Die meisten Arten, wie Marille, Pfirsich, Mandel oder Japanische Pflaume, haben einen „normalen“ 2-fachen Chromosomensatz. Die Schlehe hingegen einen 4-fachen. Die „Europäische Pflaume“ besitzt sogar jedes Chromosom 6-fach. Dies erlaubt unglaublich viele Kombinationsmöglichkeiten und erklärt, warum aus dieser Art eine solche Vielfalt entstehen konnte – sei es bzgl. Größe aber auch Form und Farbe.
Er stellte interessante Beispiele wie die Zibarten, die Spillinge und die Kriecherl vor, betonte aber, dass vielerorts die gelb-rot-violette Kirschpflaume (Myrobalane) irrtümlich als Kriecherl bezeichnet wird, letztere aber normalerweise blau gefärbt sei.
Was ist der Unterschied zwischen Pflaume und Zwetschke? Kocht man Zwetschken ein, bleibt die Faserstruktur erhalten, kocht man Pflaumen ein, zerfällt das Fruchtfleisch zu Brei. Darum gibt es Zwetschkenkuchen aber Pflaumenmus.
In der Züchtung nimmt Neumüller vor allem auf die Bedrohungen durch neue Krankheiten und den Klimawandel Rücksicht, die manche „alte“ Sorte überfordern. Dies ist für ihn der Hauptantrieb, neue Sorten zu gewinnen.
Sogenannte „Interspezifische“ Kreuzungen, also z. B. zwischen Marille und Japanischer Pflaume seien bisher den Eltern geschmacklich unterlegen, aber evtl. als Unterlage zu verwenden. Einige Highlights aus seinem Züchtungsprogramm rundeten den Vortrag ab.
Fitter durch Futter
Dass auch Obstbäume „Futter“ brauchen, wenn sie „etwas werden sollen“, führte Ulrich Höfert, Obstbaureferent der LK Vorarlberg aus. Ausgehend von ersten Symptomen für Nährstoffmangel an Obstbäumen spannte er den Bogen über die umfangreiche Thematik bis hin zur gezielten Nährstoffversorgung der Bäume.
Wichtig sei generell, den richtigen Standort mit geeignetem Boden auszuwählen, aber in Folge diesen Boden auch zu pflegen und die Ausgewogenheit zwischen toten Bodenbestandteilen, Bodenlebewesen, Luft- und Wasser-Poren zu erhalten.
Nicht nur tatsächlicher Nährstoffmangel, sondern auch „beleidigte Wurzeln“ können Mangelsymptome an Bäumen auslösen. Staunässe, Mäusefraß, Trockenheit, Bodenverdichtungen oder schwüles Wetter sind mögliche Ursachen für kurz- oder langfristige Engpässe im Baum. Daher ist es wichtig, hin und wieder durch eine Bodenprobe den tatsächlichen Nährstoffgehalt festzustellen. Nur auf dieser Basis kann eine bedarfsgerechte Düngeempfehlung erstellt werden. Für die Nährstoffversorgung spielt sehr stark die Intensität der Grasnutzung unter und zwischen den Obstbäumen eine Rolle. Denn der Grasschnitt verursacht einen größeren Nährstoffverlust als die Obsternte. Und: Obsternte ist nur einmal im Jahr. Gras wird deutlich häufiger geerntet. Somit muss bei der Düngung sowohl der Bedarf vom Baum als auch vom Gras abgedeckt werden.
Wichtig sei generell, den richtigen Standort mit geeignetem Boden auszuwählen, aber in Folge diesen Boden auch zu pflegen und die Ausgewogenheit zwischen toten Bodenbestandteilen, Bodenlebewesen, Luft- und Wasser-Poren zu erhalten.
Nicht nur tatsächlicher Nährstoffmangel, sondern auch „beleidigte Wurzeln“ können Mangelsymptome an Bäumen auslösen. Staunässe, Mäusefraß, Trockenheit, Bodenverdichtungen oder schwüles Wetter sind mögliche Ursachen für kurz- oder langfristige Engpässe im Baum. Daher ist es wichtig, hin und wieder durch eine Bodenprobe den tatsächlichen Nährstoffgehalt festzustellen. Nur auf dieser Basis kann eine bedarfsgerechte Düngeempfehlung erstellt werden. Für die Nährstoffversorgung spielt sehr stark die Intensität der Grasnutzung unter und zwischen den Obstbäumen eine Rolle. Denn der Grasschnitt verursacht einen größeren Nährstoffverlust als die Obsternte. Und: Obsternte ist nur einmal im Jahr. Gras wird deutlich häufiger geerntet. Somit muss bei der Düngung sowohl der Bedarf vom Baum als auch vom Gras abgedeckt werden.
Krabbeln und Flattern
Zu guter Letzt präsentierte Samira Linhart, MSc, von der BOKU Wien, interessante Ergebnisse aus einem österreichweiten Projekt zur Erfassung von Tierarten, die in Obstgärten leben. Erfasst wurden Wildbienen, Heuschrecken, Tagfalter, Fledermäuse und Vögel.
Obstanlagen sind eine Mischung aus Wiesen und Wald. So fühlen sich darin Tiere aus beiden Lebensräumen wohl. Manche leben im Boden, manche auf den Wiesenblumen, andere unter der Rinde oder in den Baumkronen. Manche kommen nur zeitweise, z. B. um Früchte zu fressen. Andere leben langfristig auf oder zwischen den Bäumen.
Insgesamt wurden in den 46 untersuchten Streuobstflächen über ganz Österreich (inkl. zwei Standorte aus Vorarlberg) 321 Insektenarten, 23 Fledermausarten und 110 Vogelarten gefunden, darunter auch zahlreiche gefährdete Arten. Die Tiere wurden durch vorübergehenden Fang und technische Hilfsmittel wie die Aufzeichnung von Vogelgesang bestimmt.
Ein sehr umfangreicher Endbericht, in dem – auch für die Standorte Höchst und Hohenems – jede einzelne gefundene Art registriert ist, ist im Internet verfügbar. Fazit: Obstbäume sind eben „Mehr“ als nur Bäume fürs Obst. Der Vortrag selbst darf leider nicht online gestellt werden.
Obstanlagen sind eine Mischung aus Wiesen und Wald. So fühlen sich darin Tiere aus beiden Lebensräumen wohl. Manche leben im Boden, manche auf den Wiesenblumen, andere unter der Rinde oder in den Baumkronen. Manche kommen nur zeitweise, z. B. um Früchte zu fressen. Andere leben langfristig auf oder zwischen den Bäumen.
Insgesamt wurden in den 46 untersuchten Streuobstflächen über ganz Österreich (inkl. zwei Standorte aus Vorarlberg) 321 Insektenarten, 23 Fledermausarten und 110 Vogelarten gefunden, darunter auch zahlreiche gefährdete Arten. Die Tiere wurden durch vorübergehenden Fang und technische Hilfsmittel wie die Aufzeichnung von Vogelgesang bestimmt.
Ein sehr umfangreicher Endbericht, in dem – auch für die Standorte Höchst und Hohenems – jede einzelne gefundene Art registriert ist, ist im Internet verfügbar. Fazit: Obstbäume sind eben „Mehr“ als nur Bäume fürs Obst. Der Vortrag selbst darf leider nicht online gestellt werden.
Weitere Infos
Vorträge und Unterlagen stehen demnächst im Internet zum Download (www.ogv.at/baumwaerter).